Deutungsansätze


 

Wer hier jetzt eine komplette Deutung der 78 Karten erwartet hat, ist eindeutig falsch. Ich möchte vielmehr Ansätze vermitteln, um selbständige Deutungen zu unterstützen. Ich hatte ja schon auf der Tarot-Hauptseite geschrieben, daß es vielmehr darum geht, dem eigenen Gefühl zu trauen. Wenn Du die Symbolik anwenden kannst, ist das leicht.

Ich picke mal den "Mond" heraus. Ich liebe diese Karte, sie ist so absolut interessant, wird aber leider oft als ziemlich negativ hingestellt. Auf der Startseite kannst Du meinen "Mond" betrachten. Noch mal zur Erinnerung: zwei Hunde bewachen einen Weg oder ein Tor, im Vordergrund Wasser, ein Fisch schwimmt darin. Der Weg führt einen Berg hinauf, viele kleinere Wege zweigen vom Hauptweg ab, enden jedoch sehr plötzlich. Auf dem Berg steht ein Kelch.

Wasser, Bereich der Träume und Visionen, die Verbindung mit dem, was wir sind, mit der Großen Mutter. Der Fisch verbindet diese Aspekte mit Ideen, die darin entstehen und nun an die Oberfläche wollen. Denn Ideen müssen umgesetzt werden. Nicht nur träumen, sondern auch handeln. So kommst Du zu den Hunden. Hunde als Wächter der Unterwelt, der Anderswelt, des Unterbewußtseins. Durch sie mußt Du hindurchtreten, doch das ist mit Angst verbunden. Angst lähmt, sie beschneidet, sie hindert Dich daran, Deinen Weg zu gehen. Sie ist durchtränkt mit vermittelten Verhaltensmustern, mit dem, was Du sein sollst, aber eigentlich nicht bist. Aber Du mußt die Angst überwinden, sonst wirst Du nie zu Dir selbst gelangen und nur ein ungeliebtes, ungelebtes Dasein fristen, welches Dir vielleicht Geborgenheit zu vermitteln scheint, Dich jedoch nicht ausfüllt. Denn Deine Seele hast Du nicht gefunden, sie wartet auf Deinem eigentlichen Weg auf Dich. So tritt an den Hunden vorbei, und Du wirst sehen, daß die Angst Dir Bilder zu vermitteln suchte, die nicht zutreffen. Schreite auf Deinem Weg voran, sei mutig. Oftmals werden andere versuchen (oder bist Du es selbst?), Dich vom Weg abzubringen, damit Du Dich verläufst, in einer Sackgasse endest. Dann verhindere, daß diese Angst, Existenzangst?, Oberhand gewinnt. Du kennst doch Deinen Weg, Du mußt ihn nur gehen. Aber selber gehen, denn niemand kann Dir das abnehmen. Viele Erfahrungen wirst Du machen, aber es lohnt sich, denn am Ende erhältst Du den Kelch , den Kelch der Erkenntnis, das Wissen über Dich selbst, über die Welt, über das Woher und Wohin. Du hältst Deine Seele in den Händen.

Wenn Du also die Symbolik miteinander in Beziehung bringst, Deine eigene Persönlichkeit miteinbindest, den Kern Deines Problems, Deiner Frage erkennst, hast Du die beste Deutung der Karten gefunden. Denn niemand kann Dir die Karten so gut deuten, wie Du selbst. Vertraue Dir. Du kannst noch soviel mehr in die Karte miteinbeziehen. Meinetwegen die Planeten, Sternzeichen und Numerologie etc. Aber auch die Deutung der Elemente. Da macht sich die Kleine Arkana besonders gut. Mit ihr haben die meisten Schwierigkeiten, weil sie auf den ersten Blick nicht die Symbolik offenbart, wie die Große Arkana.

Stäbe = Feuer, das für Kreativität, Tatendrang, Kraft, cholerisches Temperament und Machertum steht, im positiven wie negativen Sinne, wie alle Karten überhaupt.

Kelche = Wasser, Visionen, Träume, Emotionen, phlegmatisch, kraftvoll oder ruhend

Schwerter = Luft, Geist, Schnelligkeit und Wendigkeit, sanguinisch, oft zielgerichtet und scharf

Scheiben = Erde, aufnehmend, gedeihend, Wachstum, Mutter, umsorgend, melancholisch, materiell aber auch ideell

Die 1 ist die Essenz, der (Neu)Beginn einer Entwicklung, Du erhältst die Zutaten und mußt sehen, was Du daraus machst,

die 2 birgt erste Erfahrungen, die Polaritäten werden herausgearbeitet, es gibt mehrere Wege

die 3 vertieft dieses erste Erfahrung, rundet sie ab, kristallisiert den jeweiligen Charakter heraus

die 4 beendet den ersten Prozeß, vervollkommnet in gewisser Weise, die Grundstrukturen wurden erkannt, jetzt kommt es darauf an, was Du damit anfängst

die 5 bringt die erst größere Krise mit sich, die jeweiligen Erfahrungen stoßen zusammen, ein Umbruch erfolgt, die Mitte ist erreicht

die 6 nähert sich mit großen Schritten der 10, hier entscheidest Du, wie Du die Erfahrungen aus 5 verarbeitet hast, welche Richtung Du nun einschlägst

die 7 bringt erste sichtbare Ergebnisse, ist aber auch wieder ein kritischer Punkt, hier siebst Du aus, was Du wirklich brauchst und was nicht, Ballast wird abgeworfen

die 8 vervollkommnet wieder das Gesamtbild, zeigt die gereinigte Fassung, aber in einer höheren Auflösung, als die 4, Du erkennst jetzt langsam die Wahrheit

die 9 stabilisiert Deine Erfahrungen, vermittelt Dir das jeweilige Element in seinem gesamten Spektrum, ist die letzte Prüfung vor dem Ziel

die 10 entfaltet das Element vollends, zeigt die absolute Vollkommenheit, das Ende und den Anfang

Der Weg ist das Ziel, und um dieses zu erreichen, mußt Du tief, sehr tief in Dein Innerstes eindringen. Es wird Situationen geben, wo Du am liebsten alles hinschmeißen möchtest. Das sind die Prüfungen, um zu klären, ob Du so weit bist, ob Du wirklich möchtest. Überwindest Du die Krisen, wirst Du zu neuen, umfassenden Erkenntnissen gelangen, zur Bestätigung Deiner selbst. Und kurz vor dem Ziel, wie immer, wartet die härteste Prüfung von allen auf Dich. Sie durchforstet Dein Wissen und Gewissen, Dein Können, Deine Beweggründe, schaut in Deine Seele und Dein Herz, um zu sehen, ob Du anwesend bist. Doch bleibst Du standhaft und überzeugt, erhältst Du den Schatz.

In ähnlicher Form ist der Weg der Großen Arkana. Sie wird oft als Weg der Initiation bezeichnet, das Erwachsenwerden des Kindes. Am Anfang all das Wissen und die Geborgenheit, Wünsche und Träume, dann der Aufbruch zu neuen Ufern und Erkenntnissen, das hinter-den-Schleier-blicken, das Anwenden der Talente, säen und Ernten, Rückzug und Besinnung, weitere Erkenntnisse, und dann eine wirklich harte Zeit, denn daß Äußere muß wieder nach Innen gebracht werden und das Innere nach Außen, der Tod der Kindheit, die Geburt des Erwachsenen, der Schatten, das Erkennen des Weges, also kein unverfängliches Herumspielen mehr, sondern mehr Ernsthaftigkeit, die Entscheidung, danach, wenn das überstanden ist erfolgt die Verschmelzung mit dem Universum, der Göttin, dem Wissen, daß alles eins ist, und so beginnt es von vorn.

Puh, das ist jetzt doch eine ganze Menge geworden, aber ich hoffe, ich habe nicht noch mehr verwirrt, sondern dazu beigetragen, den Sinn zu verstehen. Viel Spaß bei den ersten Deutungsversuchen. Nicht verzagen, Du weißt doch, es gibt eine Menge Prüfungen, um zum Ziel zu gelangen ;-)